Ein Treffpunkt im Internet für Schülerzeitungen

AZ verlinkdichcombAugsburger Allgemeine, 22.12.2015, Seite 25
Projekt Jugendliche in Augsburg haben eine Internet-Plattform www.ver-link-dich.com für Schülerzeitung-Teams auf die Beine gestellt. Die Webseite bietet viele Möglichkeiten für den Austausch. Doch es gibt ein Problem
von László Dobos
Augsburg Michelles Mutter und Oma sagten einfach: „Cool!“. Die Siebtklässlerin der Albert-Einstein-Mittelschule in Augsburg hat zusammen mit ihren Klassenkameraden Artikel für die Online-Zeitung der Schule, dem Volltreffer-online, geschrieben und dazu Fotos reingestellt. Sie haben einen Podcast, eine Art Radiosendung im Internet, zum Thema Schulden aufgenommen und auf die Webseite vom Volltreffer-online gestellt. Auch wenn die Familie, Freunde und Mitschüler davon beeindruckt sind, von anderen Schülerzeitung-Teams kommt selten ein Lob wie „cool“ für den Volltreffer-online.
Das liegt gar nicht daran, dass sie die Online-Zeitung für schlecht halten. Sondern daran, dass sie nichts von ihr wissen. Die Zeitungsmacher an den verschiedenen Schulen wursteln oft alleine vor sich hin. Es fehle der Austausch zwischen den Teams, sagt der Lehrer Walter Gutbrod. Weil die Schüler die anderen Zeitungen nicht kennen, können sie sich dort auch keine Anregungen holen. Genau das wollten er und seine Schüler an der Albert-Einstein-Mittelschule ändern.
Diesen Sommer hatten die Zehntklässler, die Gutbrod unterrichtet hatte, die Webseite ver-link-dich.com ins Netz gestellt. Es ist eine Art Facebook für Schülerzeitungen. Dort können sich Schülerzeitung-Teams registrieren, ein Profil erstellen und beschreiben, was sie machen. Unabhängig davon, ob ihre Zeitung gedruckt ist oder im Internet erscheint. Die Mitglieder auf ver-link-dich.com können Fotos, Podcasts, YouTube-Videos oder sogar ganze Zeitungen als elektronische Dokumente auf die Webseite stellen. Es gibt auch die Möglichkeit, die Zeitungen der anderen Mitglieder zu bewerten und zu kommentieren.
Der Lehrer betreut seit 2005 den Volltreffer-online. Er baut die Online-Zeitung in die tägliche Arbeit seiner Klasse ein. Die Schüler berichten darin beispielsweise von Klassenausflügen oder schreiben einen Internet-Roman. Die Zeitung sei eine gute Möglichkeit, um jedes Fach aufzupeppen, sagt Gutbrod. Deutsch zum Beispiel mit dem Roman, Wirtschaft mit dem Podcast zum Thema Schulden. Außerdem vertieften die Schüler damit ihre Computerkenntnisse. Manche begeisterten sich und lernten selbstständig, wie man Videos macht oder eine Webseite erstellt. Wie beflügelnd der Austausch zwischen Zeitung-Teams sein kann, weiß Walter Gutbrod ganz genau.
Der Volltreffer-online hat oft bei Schülerzeitung-Wettbewerben überzeugt. Er gewann Preise bei Wettbewerben der Augsburger Allgemeinen, des Spiegel, der Süddeutschen Zeitung und der Zeit. Auf der Rückfahrt nach der Preisverleihung der Zeit in Hamburg haben sich die Schüler stundenlang unterhalten, erzählt Gutbrod. Die Eindrücke, die anderen Zeitungen und die Begegnungen mit den anderen Schülern inspirierten die Augsburger Schüler. Allerdings habe die Erfahrung gezeigt, dass man oft wichtige Informationen gar nicht mitnehmen könne, führt Gutbrod weiter aus. Denn meistens haben die Schüler nur ein paar Zeitungen da, und die sind dann ruckzuck vergriffen. Auch bei diesem Problem soll die neue Internet-Plattform helfen, man kann ja dort Zeitungen hochladen. Auch wenn die Plattform seit einigen Monaten online ist, gibt es ein Problem: Nur wenige Schülerzeitungen machen mit. Die zehnte Klasse, die die Webseite zusammengestellt hat, hat zwar einige Informationen über Schülerzeitungen daraufgestellt. Allerdings haben diese Jugendlichen die Schule schon abgeschlossen. Gutbrods neue Klasse muss noch lernen, wie das System funktioniert. Aber viel wichtiger wäre es, wenn Schülerzeitung-Teams von sich aus die Plattform finden und sich dort präsentieren würden.
Die Schüler, die an der Albert-Einstein-Mittelschule am Volltreffer-online arbeiten, würden sich freuen, wenn andere Schülerzeitungen mit ihnen Kontakt aufnähmen. „Das wäre schon spannend“, sagt Michelle. Ihre Klassenkameradinnen Angelika und Verena nicken. Man könnte dann von anderen Zeitungen lernen, sich Ideen für Themen holen, Tricks abgucken. Vielleicht sagt dann auch mal ein Schülerzeitung-Kollege aus Hamburg zu Volltreffer schlicht: „Cool!“.
Die Internet-Plattform für Schülerzeitungen findet man unter
www.ver-link-dich.com oder auch unter
www.schülerzeitungen-online.net
Michelle Viktoria Dietmaier, Lehrer Walter Gutbrod, Angelika Runde und Verena Schöne (von links) arbeiten an der Internet-Plattform für Schülerzeitungen. Foto: Dobos
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Quelle: https://epaper.augsburger-allgemeine.de/issue.act?issueId=122821&s=461.7211286064823

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